Unser Schleswig-Holstein
Nordwestdeutschland im allgemeinen und Schleswig-Holstein im besonderen sind - historisch betrachtet - Regionen der Freiheit. Politische Knechtschaft, Willkürherrschaft oder Despotismus hat es hierzulande selten gegeben. Schon in der germanischen Frühzeit herrschen freiheitliche Verfassungsverhältnisse. Das gleiche gilt für den frühmittelalterlichen sächsischen Stammesstaat, der die älteste Repräsentativverfassung Europas entwickelt. Im Hochmittelalter kommt es dann zwar zur Herausbildung von Landesherrschaft und Lehnsadel, und im Bereich der Grund- und späteren Gutsherrschaften hat es in der Folgezeit auch Unfreiheit und Unterdrückung gegeben. Dies gilt jedoch nicht für die eigentlich politische Ebene. Hier stehen vielmehr der meist schwachen Landesherrschaft ein starker Adel und vor allem auch eine selbstbewußte Bauernschaft gegenüber, die freiheitssichernde Funktion der Stände ist offenkundig. Außerdem werden nationale republikanische Traditionen fortgesetzt, etwa in der Bauernrepublik Dithmarschen oder in der Freien Reichsstadt Lübeck. Selbst im Zeitalter des Absolutismus, als sich in fast ganz Europa alle politischen Befugnisse vom jeweiligen Herrscher herleiten, kann die fürstliche Allmacht auf lokaler Ebene oft nicht durchgesetzt werden.
An diese älteren Traditionen knüpft dann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Schleswig-Holsteinische Bewegung an, deren politisches Ziel ein von Dänemarks Joch befreites Schleswig-Holstein in einem freien, einigen Deutschland ist. Mit der Erhebung der Herzogtümer im Jahre 1848 wird politische Ziel jedoch nicht erreicht, sondern blutig niedergeschlagen. Erst 15 Jahre später wird das seit vierhundert Jahren garantierte, aber oft gebrochene " up ewig ungedeelt" wahr. Mit Hilfe der Preußen und der Österreicher wurde das dänische Heer 1964 geschlagen und Schleswig-Holstein war endlich wieder deutsch.
Mit der Einverleibung in Preußen am 1.1.1867 wird zwar das Ziel der Eigenstaatlichkeit verfehlt, jedoch treten die Schleswig-Holsteiner nun in einen Staatsverband ein, der sich seit der Zeit Friedrichs des Großen zu einem Rechtsstaat entwickelt hat und in dem die Stein-Hardenbergschen Reformen vom Beginn des Jahrhunderts tiefe Spuren hinterlassen haben. So können die Schleswig-Holsteiner beispielsweise bei der kommunalen Selbstverwaltung ohne weiteres an die ältere Zeit anknüpfen; das Rechtsbewußtsein der Zeit ist feiner entwickelt als etwa im 20. Jahrhundert und Stolz auf die Heimat wird groß geschrieben – sowohl in kommunaler als auch nationaler Hinsicht.
Zum Ende des ersten Weltkriegs und danach erschüttern die Volksabstimmung über den Anschluß an Dänemark sowie die Matrosen-Revolution, die von Kiel ausgehend den ganzen norddeutschen Raum betrifft, Schleswig-Holstein. Zudem spüren gerade die Schleswig-Holsteiner die soziale Not infolge des Versailler Vertrags, der Weltwirtschaftskrise, der Agrarkrise und der politisch hilflosen Weimarer Republik. Dadurch wird die Provinz seit dem Frühjahr 1929 innerhalb weniger Monate zu einer Hochburg der nationalsozialistischen Bewegung; am 31. Juli 1932 stimmen bereits 51 Prozent der Schleswig-Holsteiner für die Liste der NSDAP, die damit erstmals in einem Wahlbezirk des Reiches die absolute Mehrheit erzielt.
Während des zweiten Weltkrieges hat Schleswig-Holstein stark zu leiden, obwohl der Landkrieg hier kaum stattfindet. Aber englische Bomberverbände werfen ihre übrigen Bomben auf dem Rückflug aus Hamburg mit Vorliebe auf Orte im Kreis Segeberg und Pinneberg und vor allem Lübeck versinkt unter Bombenteppichen (näheres hierzu unter Bombenterror). Doch außer den Bombenangriffen und vielen Flüchtlingen auf dem Land bleibt es bis kurz vor Kriegsende relativ ruhig. Erst im Frühjahr 1945 ändert sich die Lage und Schleswig-Holstein tritt ins strategische Kalkül von allen drei kriegführenden Parteien. Ganz Schleswig-Holstein fürchtet sich vor den Unterdrückungen der Roten Armee, die unübersehbare Massen von Flüchtlingen vor sich her treibend herannaht. Der militärische Oberbefehlshaber Großadmiral Dönitz ist fest entschlossen, die Elbelinie zu verteidigen, um den millionenfachen Flüchtlingsströmen zu Wasser und zu Land den Zugang nach Schleswig-Holstein offenzuhalten und auf diese Weise möglichst viele Landsleute vor dem Zugriff der Sowjets zu bewahren. Briten und Rote Armee jedoch versuchen beide, schnellstmöglich Schleswig-Holstein zu erreichen, um ihren Machtbereich zu vergrößern und den Verbündeten auszustechen.
Am 20.03.1945 wird Schleswig-Holstein sogar kurzfristig Regierungssitz, denn nach Hitlers Tod wird Dönitz zum Reichspräsidenten ernannt und richtet seinen „Regierungssitz“ in Plön ein. Dönitz ist entschlossen, den Krieg zu beenden, möchte jedoch noch so viele Menschen wie möglich vor dem Zugriff der Roten Armee retten. Deshalb soll vorerst der Kampf an der Ostfront fortgesetzt und, damit die Schleuse südlich Lübeck offen gehalten werden kann, Schleswig-Holstein auch gegen die Briten verteidigt werden. Nachdem die britischen Truppen den erlahmenden deutschen Widerstand ohne große Gegenwehr durchbrechen und die Ostsee erreichen, handelt Dönitz in Nordwestdeutschland eine Teilkapitulation aus, im Osten soll jedoch weitergekämpft werden, damit möglichst viele Flüchtlinge Gelegenheit erhalten, die britisch-amerikanischen Linien zu erreichen. Am 5. Mai tritt die Teilkapitulation in Kraft, doch schon am Vortag wurde ein Großteil des Kreises Segeberg fast widerstandslos eingenommen. Unmittelbar nach dem Inkrafttreten der Kapitulationsvereinbarungen kommt es zu allerlei Auflösungserscheinungen. Zivilisten plündern Wehrmachtslager und viele Fremdarbeiter gehen gegen die deutsche Bevölkerung vor. Um die Lage unter Kontrolle zu behalten, ersuchen die Briten sogar darum, daß die preußisch-deutschen Befehlsstrukturen erhalten bleiben. Anders als in anderen Bundesländern behandeln die Besatzungstruppen sowohl Soldaten als auch Zivilisten großenteils anständig, auch die letzte deutsche Reichsregierung wird ohne Brüskierungen in Gefangenschaft genommen.
1946 erklären die alliierten Sieger Preußen für aufgelöst und verleihen seiner Provinz Schleswig-Holstein den Titel „Bundesland". Endlich ist das Ziel des einigen Schleswig-Holstein und zugleich die Zugehörigkeit zu Deutschland gegeben. Dieses Deutschland umfaßt jedoch nicht die Gesamtheit der Nation und auch nicht die frühere Souveränität. Und Schleswig-Holstein, an der Nahtstelle zwischen zwei verfeindeten Welten gelegen, hat die negativen Folgen der deutschen Teilung, durch die der Raum Lübeck-Lauenburg zur Grenzregion geworden ist, jahrzehntelang besonders stark zu spüren. Schleswig-Holstein - zunächst aufgrund des gewaltigen Flüchtlingszustroms (allein über die Ostsee kamen 2,5 Millionen Ostdeutsche) stark übervölkert - leidet auch unter der schwach entwickelten gewerblich-industriellen Infrastruktur, der periphären geographischen Lage sowie an der politischen Unfähigkeit und gilt lange Zeit als das Armenhaus der Bundesrepublik Deutschland. Erst durch die Wiedervereinigung Deutschlands tritt eine Verbesserung dieser Situation ein, auch wenn sie in nicht geringem Maße nur durch den Vergleich mit den wirtschaftlich noch schwächeren mitteldeutschen Bundesländern entsteht. Wie überall hält jedoch auch hier die neuerlich Wirtschaftskrise Einstand und die alten schleswig-holsteinischen Ziele von Freiheit und Einigkeit machen dem persönlichen Kampf ums Überleben platz. Eine Wende zurück zu den alten Werten und einem zufriedenen Leben ist unter den derzeitigen Machtverhältnissen nicht in Sicht und Schleswig-Holstein droht durch die Globalisierung erneut zum vergessenen Landstrich am Ende der Welt zu werden. Nur eine konsequent nationale und soziale Politik kann den alten Traum Schleswig-Holsteins endgültig wahr werden lassen, doch bis dahin wird es noch ein steiniger Weg, dem sich momentan allein die NPD stellen will!
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