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25.02.2007: Faule Kunden wollen wir nicht! Kreissparkasse Südholstein verscherbelt Darlehen an Investment-Geier
Das Rückgrat des Mittelstandes wurden und werden die Sparkassen gern genannt. Seitdem Gemeinwohl aber zur Worthülse verkommen ist und auch die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute fit für ausschließliche Profitorientierung gemacht werden sollen, ist es mit diesem Anspruch vorbei. „Faule Kredite“ nennen sich die aktuellen Objekte der Begierde. Damit sind schlicht und einfach jene Darlehen gemeint, die von den Kreditnehmern länger als 90 Tage nicht „bedient“ worden sind. Und diese Kredite werden von den Banken ohne Skrupel verkauft, so auch von der Kreissparkasse Südholstein. Die Käufer in Gestalt von Investment-Geiern kommen aus der ganzen Welt und haben, bevor sie in deutschen landen mit ihrer Einkaufstour begannen, in Asien Station gemacht, als dort nach der schweren Krise die Weichen auf Ausverkauf standen.
Die Kreissparkasse Südholstein ist noch öffentlich-rechtlich organisiert, mischt aber bei Kreditverkäufen munter mit. Kürzlich berichtete die Lokalpresse, daß insgesamt 67 Gewerbetreibende aus den Kreisen Segeberg, Pinneberg und Neumünster mit einem Kreditvolumen von insgesamt 123 Millionen Euro an eine Tochterfirma des internationalen Finanzgeiers Lone Star - von Franz Müntefering (SPD-Arbeitsminister) auch als „Heuschrecke“ bezeichnet – verkauft hat.
Die Sparkasse verteidigt ihren Verkauf zwar als Wohltat für die Betroffenen, da ihnen von der Sparkasse die Zwangsvollstreckung gedroht hätte, die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Viele der Verkauften standen bereits in Verhandlungen, um ihre Kredite abzulösen oder zu einer anderen einvernehmlichen Lösung zu kommen. Stattdessen wirft die Sparkasse das Handtuch hin und verkauft ihre Forderungen für einen Bruchteil ihres Wertes! Der Erwerber Lone Star wird die Betroffenen jetzt vermutlich endgültig in den Ruin treiben. Rechtsanwalt Bernd Koch hat schon andere Mandanten vertreten, deren Kredite an Lone Star verkauft wurden und sagt: „Lone Star geht mit ganz harten Bandagen vor. Die schauen nur auf den Profit. Gegen die zu kämpfen, ist eine ganz harte Nuß.“ Da die Kredithaie viel Geld verdienen wollen, müssen die Opfer nun mit drakonischen Maßnahmen rechnen, denn länger als ein Vierteljahr haben sie von nun an kaum Zeit, zu einer „Lösung“ zu gelangen. Funktioniert das nicht, ruft die Zwangsvollstreckung – egal, ob gerade eben gescheiterter Unternehmer, pechbehafteter Häuslebauer oder notorischer Nichtzahler: Die Folgen sind steigende Verbraucher- und Regelinsolvenzen sowie auf lange Sicht gebeutelte Kreditnehmer. Jeder weiß, wie leicht man heutzutage aufgrund schlechter Zahlungsmoral, unkalkulierbarer Risiken und Arbeitsplatzverlust in finanzielle Nöte geraten kann. Da erscheint einem das Horrorszenario, einen „faulen Kredit“ als Anhängsel zu haben, nicht mehr allzu weit.
Doch warum verkauft die Sparkasse die Kredite so kurz nach dem endgültigen Zusammenschluß der drei Sparkassen Segeberg, Neumünster und Pinneberg für einen Bruchteil ihres Wertes an den ausländischen Investment-Geier? Bestimmt nicht aus sozialen Erwägungen! Vermutlich will sich die Sparkasse der lästigen Kredite entledigen, weil sie sehr um ihre Eigenkapitaldecke „besorgt“, mit anderen Worten profitorientiert ist, was in der heutigen Zeit nicht mehr nur gewinnbringendes Arbeiten, sondern Wirtschaften auf Kosten der Allgemeinheit bedeutet. Verstärkt wurde der Trend noch durch Basel II, also die Gesamtheit der Eigenkapital-Vorschriften vom Basler Ausschuß für Bankenaufsicht. Die Vorgaben traten in Deutschland ab 1. Januar offiziell in Kraft, also sehr zeitnah zu den Verkäufen im Dezember.
Ziele sind die Sicherung einer angemessenen Eigenkapital-Ausstattung von Banken und die Schaffung einheitlicher Wettbewerbsbedingungen sowohl für die Kreditvergabe als auch den Kredithandel. Banken müssen demnach für die „faulen Kredite“ bis zu fünfmal mehr Eigenkapital vorhalten. Kurzum: Banken einschließlich der öffentlich-rechtlichen werden dazu gezwungen, sich mehr und mehr auf den Profit statt auf den Dienst an der Gemeinschaft zu konzentrieren.
Noch schimpft sich die Sparkasse Südholstein ein öffentlich-rechtliches Unternehmen und gibt sich durch Spenden und Wortmeldungen betont sozial und ortsgebunden. Doch hinter der Maske brodelt es schon mächtig. Leidtragende sind schon jetzt so manche (ehemalige) Mitarbeiter und Geschäftsleute, in der Fortentwicklung aber auch unzählige weitere! Doch statt weiter auf Profitorientierung und Privatisierungswahn zu setzen sollten öffentliche Banken die lokale Wirtschaft und die Bürger gut beraten und unterstützen; statt kaltherzig notleidende Kredite an „Heuschrecken“ zu verhökern müssen sozialverträgliche und zukunftsweisende Lösungen erarbeitet werden. Denn ein insolventes Unternehmen zieht oft auch andere Unternehmen und Privatpersonen nach. Privatbanken tun dies nicht, Investment-Geier schon gar nicht, aber auch die Sparkasse immer seltener!
Schlußendlich aber stellt sich die Frage, inwieweit Bund, Länder und Kommunen dem globalkapitalistischen Wahnsinn mit der Abgabe innerstaatlicher Entscheidungshoheit an ausländische Investoren noch zusehen wollen. Doch wie die bisherigen politischen „Weichenstellungen“ von CDU und SPD beweisen, wird eine Korrektur des derzeitigen verhängnisvollen wirtschaftspolitischen Kurses der nationalen Opposition vorbehalten bleiben!
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