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11.02.2007: Ursachen und Folgen der Regionalschule
Der lautstarke Protest der Eltern richtet sich vor allem gegen die Abschaffung des
bewährten dreigliedrigen Schulsystems. Per Gesetz sollen bis 2010 alle Haupt- und
Realschulen zu sogenannten Regionalschulen zusammengefaßt werden. Dieses Konzept wird
politisch mit der Behauptung vermarktet, die Zusammenführung der Bildungsgänge in
der Regionalschule erleichtere den Zugang der Schüler zu nächsthöheren
Bildungsabschlüssen. Ein Blick in das benachbarte Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, in
dem das Modell Regionalschule bereits vor einigen Jahren dank einer mittlerweile
abgewählten dunkelroten Regierung (PDS + SPD) eingeführt wurde, entlarvt die
Haltlosigkeit dieser Behauptung in all ihren verheerenden Folgen für die
Bildungsqualität.
Die von den Blockparteien diktierte und vom Volk nicht gewollte „Reform“
hat in Wahrheit neben den ideologischen Ursachen vor allem ökonomische
Hintergründe.
Ausgehend von dem rot gefärbten Dogma aus sozialistischer Vorzeit, die weniger
begabten würden von den leistungsstärkeren Schülern durch das gemeinsame
Lernen profitieren, hat sich hier in den Regionalschulen der Realität ein Lernklima
entwickelt, in dem die leistungsstärkeren Schüler von den Schwächeren
aufgesogen werden. Die Pädagogen passen sich aus einer zwangsläufigen
Notwendigkeit dem unteren Leistungsstand der Klasse an. Die leistungsstärkeren
fühlen sich in der Folge unterfordert und versuchen diese Unterforderung durch
Verhaltensauffälligkeiten zu kompensieren, mit denen wiederum die leistungsschwachen
als willkommene Ablenkung sympathisieren. Im Ergebnis wird die Aufmerksamkeit des Lehrers
an die Verhaltensauffälligkeiten und nicht mehr an den eigentlich zu vermittelnden
Lernstoff gebunden.
Die sogenannte individuelle Förderung durch engagierte Pädagogen gilt in erster
Linie den Schwachen, die Leistungsspitze verkümmert zwangsläufig bis sie sich in
die Durchschnittskultur der regionalen Durchschnittsklasse eingefügt hat.
Auf diese Weise ist bei unseren Nachbarn die Vermarktungsbehauptung, die Regionalschule
führe die Schüler leichter zu konkurrenzfähigen Abschlüssen bereits durch
die Realität mit verheerenden Konsequenzen vor allem für die leistungsstarken
Schüler widerlegt worden.
Unterstellt man der bildungspolitischen Inkompetenz unseres Landes , daß sie ebenfalls
einen differenzierten Blick in Richtung Osten gewagt hat, bleibt dennoch die Frage offen, was
sie abgesehen von den vorgeschriebenen ideologischen Irrwegen zur Übernahme dieses
gescheiterten Bildungskonzeptes bewogen hat. – In Wahrheit handelt es sich vor allem
um ökonomische Gründe:
Die Zusammenlegung von Schulen zu anonymen Großbaustellen der Bildung ist einfach
billiger, als ein nach dem Lernniveau ausdifferenziertes, den Schüler adäquat
förderndes dreigliedriges Schulsystem. Welche Auswirkungen auf das Lernklima und das
Wohlbefinden und damit die Leistungsfähigkeit des Schülers anonyme
Massenausbildungsanstalten haben, läßt sich nur erahnen, aber das ist den
Bildungspolitikern nicht einmal ein Gedanke wert.
Diese in Wahrheit ökonomische Begründung für die von oben verordnete
Etablierung von zentralen (eben nicht regionalen!) Masseneinrichtungen unter dem verwirrenden
und schmackhaft verpackten Namen „Regionalschule“ offenbart auch die von den
Bildungspolitikern dieses Landes gewollte Weiterentwicklung dieses Konzeptes. Wie die
Schulpolitik des Nachbarn zeigt, ist es für die Landespolitiker nämlich noch
günstiger, die Schulbildung gleich ganz in die Hand privater Unternehmen abzugeben und
diese nur noch zu subventionieren.
Wie geplant, schossen durch die in Aussicht gestellten Subventionen Privatschulen,
Regionalschulen in der Regel mit integrierten Gymnasien wie Pilze aus dem Boden. Diese
Einrichtungen hatten oft sehr fragwürdige, eigene experimentierfreudige Bildungskonzepte
und standen häufig auf schwankenden Finanzgrundlagen mit nur kurzfristigen Gewinnaussichten.
Eine ähnliche Weiterentwicklung dieser Schulreform ist auch hier absehbar. Die sich
heute noch zurückhaltenden Eltern werden sehr bald für die lieber nicht zu
hinterfragende Bildung(squalität) ihrer Kinder von privaten Unternehmen zur Kasse gebeten
werden. Damit wäre die Chancengleichheit in der Bildung dann auch abgeschafft, die
Aussicht auf einen existenzsichernden Beruf bliebe zukünftig einem ohnehin schon
vermögenden Stand vorbehalten. Der nächste PISA-Test würde mit Sicherheit
einen neuen negativen Rekord des Bildungsnotstandes in Deutschland offenbaren.
Der Widerstand von Eltern und Lehrern regt sich schon im Kreis Segeberg. Und auch viele Kommunalpolitiker wehren sich vehement gegen diese neuerlichen von oben durchgedrückten Regeln. Der Erfolg wird aber eher gering sein. Denn seit wann hören unsere gut bezahlen Landes- und Bundespolitiker auf die Basis. Die Demokratie, nach dem je die Regierung nur ausführendes Organ des Volkswillens ist, ist schon lange zur Farce geworden. Doch immer mehr Deutsche und auch immer mehr gutmeinende Kommunalpolitiker spüren dies inzwischen am eigenen Leib. Doch der Widerstand der Barteibasis gegen die eigenen Abgeordneten wird erfolglos bleiben. Ändern wird sich nur etwas mit anderen Parteien in Land- und Bundestag!
Die Bildung ihrer Kinder wird unter dem
Aushängeschild längst überholter pädagogischer Konzepte
zusammengestrichen – die Leidtragenden sind die Kinder. Ein Blick auf den
gegenwärtigen Arbeitsmarkt, auf dem der deutsche Arbeitnehmer von morgen
unter globalen Wettbewerbsbedingungen nur noch mit einem hochqualifizierten Schulsystem
konkurrenzfähig sein wird, verrät, daß die Sorge der Eltern um die
Bildungsqualität ihrer schulpflichtigen Kinder mehr als berechtigt ist.
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